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Straßennamen und Kriegsverbrecher

Meine Position zur Umbenennung von Straßen, wie sie Linke und Friedensplenum gefordert hatten, konnte ich in einem vollständig abgedruckten Leserbrief an den Iserlohner Kreisanzeiger am 23.02.2015 deutlich machen:

CDU, FDP und UWG-Piraten haben durch ihren gemeinsamen Antrag zur Umbenennung von Straßen und Plätzen Eines deutlich gemacht: Es gibt keine Mehrheit für eine Umbenennungsaktion in Iserlohn.
Allerdings enthält der IKZ-Artikel vom 20.02. einen wichtigen Fehler: Wir stellen ganz im Gegenteil zum Bericht ausdrücklich fest, dass es in Iserlohn keine Straßennamen nach Kriegsverbrechern mehr gibt. Die Verantwortlichen des Nazi-Regimes sind nach dem 2. Weltkrieg schnell und sehr zu Recht aus den Straßenschildern gelöscht worden.
Würde man aber, wie es die Linken beantragen, alle Straßen neu benennen deren Namensgeber “die Führung von Krieg gefördert, oder öffentlich Bewunderung/Begeisterung für kriegerische Handlungen ausgedrückt” hat, dann gäbe es in Iserlohn eine beispiellose Umbenennung von Straßennamen. Der IKZ hatte wenige Beispiele genannt. Man muss aber konsequent zu Ende denken, wenn man mit den Ideen der Linken liebäugelt:
Die Friedrichstraße ist im 19. Jahrhundert nach mehreren preußischen Königen benannt worden. Sie alle haben aus dem kleinen Preußen durch brutale Angriffskriege eine europäische Großmacht geformt. Die militärische Niederschlagung der demokratischen Revolution von 1848 erfolgte auf Befehl des preußischen Königs Friedrich Wilhelm.
Man denke an die Hermannstraße auf dem Dördel (Varusschlacht gegen die Römer), die Arndtstraße in Letmathe (deutscher Dichter Ernst Moritz Arndt: “Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte, drum gab er Säbel, Schwert und Spieß dem Mann in seine Rechte”, geschrieben 1812), die Albrechtstraße am Bömberg (militärischer Führer des Deutschen Ordens und Herzog von Preußen im 16. Jahrhundert), die Karlstraße im Stadtzentrum (Generalfeldmarschall Friedrich Karl von Hohenzollern, Krieg gegen Dänemark 1864), die Corunnastraße am Seilersee (nach britischen Kasernen benannt, die wiederum nach der Seeschlacht vor La Coruna 1809). Leicht ließe sich ein Dutzend ähnlicher Beispiele finden.
Auch das Kriterium, dass der Namensgeber sich nicht “der Förderung, öffentlicher Bewunderung/Begeisterung einer Diktatur schuldig gemacht” haben dürfe, geht ins Unermessliche – denke man nur an Äußerungen durchaus zu Recht respektierter Kirchenführer der 30er und 40er Jahre des 20. Jahrhunderts zu Faschismus und NS-Regime (Bodelschwinghstraße am Dördel, Roncallistraße am Hemberg). So einfach kann man es sich eben mit Biografien aus früheren Geschichtsepochen nicht machen.
So wird man auch bei sehr ehrenwerten Repräsentanten der Demokratie wie Friedensnobelpreisträger Gustav Stresemann, den der Wermingser Pfarrer Dr. Abrath zu Recht als guten Namensgeber einer künftigen Straße nannte, die Forderung nach einem Sieg im 1. Weltkrieg und die Ablehnung der Republik 1918 finden. Und respektable Vertreter des Widerstandes gegen das NS-Regime finden sich bald danach als unkritische Unterstützer Stalins und der SED-Diktatur wieder (man denke nur an Berthold Brecht).
Wir lehnen eine großangelegte Säuberung unserer Geschichte ab. Die Irrtümer und Fehler der Vergangenheit sind auch Irrtümer und Fehler unserer eigenen Vorfahren. Sich damit kritisch und bewusst auseinanderzusetzen ist Ziel des Antrages von CDU, FDP und UWG-Piraten. Statt Straßen überall in der Stadt umzubenennen wollen wir die Information über die Namensgeber allen zugänglich machen und dabei auch berechtigte Kritik nicht verschweigen.
Dass Menschen zugleich vorbildlich in ihrem Lebenswerk und voller Fehler und Irrtümer sein können, ist Natur des Menschen und Kennzeichen unserer Geschichte. Darum ist es verdienstvoll, wenn das Friedensplenum auf die Kritik an Menschen wie Fritz Kühn oder Karl Wagenfeld hinweist. Darüber dauerhaft zu informieren eben trotz aller Verdienste ist, worauf es uns ankommt.
Eine Umbenennungswelle von Straßen und Plätzen wird es in Iserlohn jedenfalls nach unserem gemeinsamen Antrag nicht geben.

Hans Immanuel Herbers, Vorsitzender der UWG-Piraten Ratsfraktion

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