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Sollten wir Straßen umbenennen?

Ein Thema, dass über Jahre für Unruhe in Iserlohn gesorgt hatte, waren die Wünsche von Friedensplenum und Linken, aber auch in der SPD und bei den Grünen nach Umbenennung mehrer Straßen und Plätze. Angestoßen durch einen diffus formulierte Bürgerantrag des Wermingser Pfarrer Dr. Abrath – er wünschte dass über den Namen „Hindenburgstraße“ nachgedacht werde – folgten Vorschläge zu konkreten Umbenennungen und zu Kriterien.

Die Linke beantragte, Umbenennungen nach einem Kriterienkatalog durchzuführen:

„Die Person hat
1. sich nicht der Förderung, öffentlicher Bewunderung/Begeisterung einer Diktatur schuldig gemacht.
2. nicht die Führung von Krieg gefördert, oder öffentlich Bewunderung/Begeisterung für kriegerische Handlungen ausgedrückt.
3. sich nicht an der Durchführung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit beteiligt, oder öffentliche Bewunderung/Begeisterung dafür ausgedrückt.
4. in seinem / ihrem Leben in besonderem Maße (soziale, kulturelle, politische) Leistungen vollbracht, die für andere Menschen Vorbildcharakter haben und als positive Beispiele dienen können.
Für eine Eignung spricht, wenn die Kriterien 1 bis 3 nicht erfüllt sind und das Kriterium 4 besonders stark erfüllt ist.
Gegen eine Eignung spricht, wenn von den Kriterien 1 bis 3 eines oder mehrere erfüllt sind.“

Das Friedensplenum ergänzte auch mit konkreten Umbenennungswünschen – etwa dem Fritz-Kühn-Platz.

Als Antwort darauf erarbeiteten CDU, FDP und UWG-Piraten einen eigenen Antrag, der letzten Endes im Rat so beschlossen wurde:

„1. Vorhandene Straßen und Plätze sollen schrittweise mit Erläuterungsschildern versehen werden, um die Herkunft der Bezeichnungen besser zu vermitteln.
2. Bezeichnungen von Straßen und Plätzen nach Kriegsverbrechern gibt es in Iserlohn nicht mehr. Eine Änderung vorhandener Straßennamen aufgrund heutiger rückblickender Bewertung der Haltung der betreffenden Persönlichkeiten zu politischen Entwicklungen und Regimen ihrer Zeit ist bei den in Iserlohn anzutreffenden Bezeichnungen nicht sinnvoll.
3. Der Stadtarchivar wird beauftragt, ein Onlineverzeichnis der Straßennamen mit Erläuterungen zu Herkunft und Bedeutung der Bezeichnungen zu erstellen. Dabei sollen in begründeten Fällen auch kritische Anmerkungen zu Positionen und Handlungsweisen der Namensgeber aufgenommen werden. (Ausgangspunkt eines solchen Verzeichnisses kann das 2009 veröffentlichte Buch “Iserlohner Straßennamen” aus der Reihe “Beiträge zur Heimatkunde für Iserlohn und den märkischen Raum” Band 19, herausgegeben vom Förderkreis Iserlohner Museen e.V., sein. Dort sind nach Stand 2009 bereits alle Iserlohner Straßennamen in Herkunft und Bedeutung erklärt.)
4. Der Rat erstellt eine Liste von Namen für Straßen, Plätze etc., die in besonderer Weise für künftige Benennungen geeignet sind. Dabei sollen sowohl der Einsatz für Belange der örtlichen Heimat als auch gesellschaftliche Verdienste um Frieden, Verständigung, Demokratie und Gerechtigkeit berücksichtigt werden.
Erläuterung und Begründung:
Die Fraktionen von CDU, FDP und UWG-Piraten möchten das historische Erbe mehr in den Fokus rücken und wünschen sich entsprechende Zusatzbeschilderungen für Straßennamen. Viele Bürgerinnen und Bürger sowie Vereinsvertreter diverser Vereine haben diesen Wunsch an die Politik herangetragen und möchten damit erreichen, dass Namen und Bezeichnungen, die sich in den Straßennamen wiederfinden, in Erinnerung der Menschen bleiben.
Viele Bürgerinnen und Bürger – gerade wenn sie neu hinzugezogen sind, können oft mit bestimmten Ortsbezeichnungen und Namen kaum noch etwas anfangen und damit droht der Bezug zu den Leistungen vorheriger Generationen verloren zu gehen. Deshalb möchten die Fraktionen erreichen, dass Namen und Flurbezeichnungen, Begleittafeln erhalten, um kurze Erläuterungen möglich zu machen. Mit Blick auf viele andere Städte und Gemeinden lässt sich feststellen, dass dies dort längst üblich ist und deshalb halten die Fraktionen von CDU, FDP und UWG-Piraten eine Umsetzung für durchaus realistisch. Unbedingt sollten für ein solches Projekt auch Heimatvereine, Ortsheimatpfleger und andere Kulturvereine beteiligt werden, damit dieses bürgerschaftliche Engagement und Potential genutzt wird.
Darüber hinaus machen die antragstellenden Fraktionen deutlich, dass sie in der aktuellen Diskussion um Umbenennung diverser Straßen oder anderer Ortsbezeichnungen eine ablehnende Haltung einnehmen. Neben den enormen Umständen, die eine solche „Umbenennungswelle“ für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger nach sich zieht, ist eine historische Betrachtung vieler Persönlichkeiten der Iserlohner oder Deutschen Geschichte nach heutigen Wertmaßstäben vielfach für schwierig und streckenweise den Umständen nicht angemessen. Allerdings sehen die Fraktionen mit ihrem Antrag die Chance, neben der Zusatzbeschilderung an den Straßennamen nach und nach auch eine für die Öffentlichkeit zugängliche Internetdatenbank aufzubauen, die einerseits weitere Informationen zu den Namens– und Flurbezeichnungen und zusätzlich auch in begründeten Fällen kritische Anmerkungen zu bestimmten Handlungsweisen von Personen der Iserlohner oder Deutschen Öffentlichkeit ermöglichen würde.“

Dass dieser Antrag (und Ratsbeschluss) für heftige Diskussionen sorgen würde, war uns bewusst. Darum dokumentiere ich als eigenen Blogpost einen Leserbrief, den ich dazu schrieb.

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