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„Geh aus mein Herz und suche Freud“ – eine Liedpredigt

Am 2. August 2015 habe ich im Martin-Luther-King-Haus in der Iserlohner Heide über Paul Gerhardts Sommerlied „Geh aus mein Herz“ gepredigt. Hier der Text dieser Liedpredigt:

Liebe Gemeinde,

Geh aus mein Herz – das ist was wir in dieser schönen grünen Umgebung gern tun, wenn es sonnig ist und sommerlich so wie heute.

1653 schrieb Paul Gerhardt dieses Lied. Es war eine Zeit der Not und der Zerstörung. Der große Krieg war gerade vorbei, ganze Ortschaften ausgerottet, die große Mehrzahl der Menschen getötet, verhungert, geflohen. Ruinen standen überall, es fehlte an allem. Mittenwalde, wo Paul Gerhardt damals Pfarrer war, hatte durch Krieg und Pest 3/4 seiner Bevölkerung verloren.

Im selben Jahr schrieb er ein anderes, heute sehr bekanntes Lied:
“Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt.“

Das können wir eher verstehen in dieser Zeit – ein Lied, das tröstet und stützt, wo doch keiner damals lebte, der nicht den Tod in der eigenen Familie hatte spüren müssen.

Aber Paul Gerhardt fand Trost für sich und andere. Er war viel unterwegs damals in der Mark Brandenburg. Er sah das flache Land, die Wälder dort, Wasserläufe und kleine Seen, eine Landschaft, die auch heute noch traumhaft schön ist. Und im Sommer dann schrieb er es auf, was ihm neue Kraft gab:
„Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit…“

In der ganzen Schönheit der Schöpfung, überall in der Natur sah er Gott am Werk. Er hatte erkannt: Gott tut das Wunder der Schöpfung jeden Tag neu. Und wer mit offenen Augen und Ohren, mit offenem Herzen in Gottes Natur schaut, der kann dieses immer neue Wunder miterleben.

Sicher – wir verstehen es nicht immer. Und die Natur bietet nicht nur Schönes, sondern auch Erschreckendes. Aber daß Gott in ihr der Schöpfer ist, das gilt. Daß wir sein Werk sehen können, wenn wir nur die Sinne öffnen.

Der Prophet Jesaja schreibt im 55. Kapitel:

Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.
Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und läßt wachsen, daß sie gibt Samen, zu säen, und Brot, zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.
Denn ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden. Berge und Hügel sollen vor euch her frohlocken mit Jauchzen und alle Bäume auf dem Felde in die Hände klatschen.
Es sollen Zypressen statt Dornen wachsen und Myrten statt Nesseln. Und dem HERRN soll es zum Ruhm geschehen und zum ewigen Zeichen, das nicht vergehen wird.

Es ist gute biblische Tradition, Gottes Werk in der Schöpfung zum Bild für sein Reich zu nehmen. Die Propheten haben es getan und auch Jesus oft genug.

Uns Menschen ist diese Schöpfung anvertraut. Wir sollen sie behüten und bewahren. Denn sie ist uns nur geliehen, wir sind ein Teil von ihr. Gottes Herrlichkeit scheint immer wieder durch – in Momenten, die wir kaum beschreiben können.

Wie sollen wir jemand anderen erklären, was ein Bergbach auslöst in uns? Oder das endlose Rauschen der Wellen an den Klippen? Ein klarer Sternenhimmel in einer stillen Sommernacht? Das Aufreißen der Wolken unter dem Sonnenuntergang?

Paul Gerhardt hat für uns dieses Beschreiben übernommen. So wie der Prophet Jesaja im Regen, im Wachsen und Blühen das Gleichnis für Gottes Taten erkannt hat.

Ob wir hier in Iserlohn sind oder in Griechenland, an der Nordsee oder auf fernen Inseln: Ich wünschen uns allen, daß wir dieses Lied der Berge und Hügel, der Bäume und der ganzen Schöpfung hören. Öffnen wir Augen, Ohren und Sinne und spüren wir Gott am Werk.

Wenn wir so den Sommer getankt haben nach den Ferien, dann werden wir wieder verstehen, wie Paul Gerhardt in einer so schlimmen Notzeit ein so wunderbares Sommerlied schreiben konnte.

Doch mit dem Sommerlied endet es nicht – schade übrigens, dass die letzten Strophen so oft übersehen werden – heute werden wir auch sie singen.

Was will doch wohl nach dieser Welt
dort in dem reichen Himmelszelt
und güldnen Schlosse werden,
Welch hohe Lust, welch heller Schein
wird wohl in Christi Garten sein!

Gerhardts Bildsprache ist dieselbe wie die, die uns beim Propheten Jesaja begegnet:

Denn ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden.
Berge und Hügel sollen vor euch her frohlocken mit Jauchzen und alle Bäume auf dem Felde in die Hände klatschen.
Es sollen Zypressen statt Dornen wachsen und Myrten statt Nesseln.


Das ist gesagt zum Abschied – aber eben im Wissen, dass jeder Abschied ein „Auf Wiedersehn” in sich trägt, uns Christen ist das besonders wichtig. Und das gilt – so einfach ist es letztlich – in dieser Welt und in der kommenden.

Und schließlich – so Paul Gerhardt – sollen wir selber uns wie ein grüner Garten vollenden:

Mach in mir deinem Geiste Raum, daß ich dir werd ein guter Baum, und laß mich Wurzel treiben. Verleihe, daß zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben.

Erwähle mich zum Paradeis und laß mich bis zur letzten Reis an Leib und Seele grünen, so will ich dir und deiner Ehr allein und sonsten keinem mehr hier und dort ewig dienen.

Das wünsche ich uns allen – den Sommer, der unser Herz ausgehen lässt, sich freuen und geniessen was Gott uns schenkt. Und die Verheißung des Seins bei Gott, der viel größeren Freude im Garten des Herrn. Und schließlich dass wir selber blühen mögen und zur Freude werden – uns und anderen.

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