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Der Fischer und seine Frau

Ein Pfarrer predigt öfters. Hier meine Predigt in der Ev. ref. Kirchengemeinde Schlangen am 29. Mai 2011:

Liebe Gemeinde,

heißt hier jemand Ilse? Also Sie sind nicht gemeint, wirklich nicht.

Aber die Brüder Grimm haben uns eine schöne Geschichte übermittelt. Und eh die Konfirmanden denken: Oh je, olle Kamelle – hört euch mal von der Metal Band Caput den Song „Mantje Mantje Timpe te” an! Das Märchen fängt jedenfalls so an:

Es war einmal ein Fischer und seine Frau, die wohnten zusammen in einer kleinen Fischerhütte, dicht an der See, und der Fischer ging alle Tage hin und angelte und angelte und angelte.
So saß er auch einmal mit seiner Angel und sah immer in das klare Wasser hinein: und so sass er nun und sass

Ja gut, an der See sind wir hier nicht – aber nicht nur im Kreuzkrug gibt es auch hier hervorragende Forellen! Und das Fischen hat bei uns Lippern eine alte Tradition.

fischer und seine frau

 

Jedenfalls – während er da so sitzt und angelt fängt er plötzlich einen großen Butt. Das ist so ein Plattfisch, sehr lecker übrigens gesalzen mit Pfeffer und Mehl leicht gebraten. Son Butt fischt man eher am Meer und angrenzenden Gewässern als bei uns. Das Märchen kommt jedenfalls aus Pommern.

Dieser Butt aber fing plötzlich an zu sprechen:

“Hör mal, Fischer, ich bitte dich, laß mich leben, ich bin kein richtiger Butt, ich bin ein verwunschener Prinz. Was hilft’s dir denn, wenn du mich tötest? Ich würde dir doch nicht recht schmecken: Setz mich wieder ins Wasser und laß mich schwimmen.” – “Nun,” sagte der Mann, “du brauchst nicht so viele Worte zu machen: einen Butt, der sprechen kann, werde ich doch wohl schwimmen lassen.” Damit setzte er ihn wieder in das klare Wasser.

Nun, viele von Ihnen wissen, wie es weitergeht: Der Fischer kommt nach Hause, erzählt seiner Frau dass er nichts gefangen hat und was ihm passiert ist und die ist stinksauer. „Hee” sagt sie, „wenn das ein verwunscher Prinz war dann hättest du dir was wünschen müssen! Ich hab eh genug von dieser elenden Hütte, los geh und wünsch uns ein anständiges Haus von dem Butt!”

Der Mann hat zwar gar keine Lust darauf, aber er tut was sie ihm sagt und geht zurück zum Wasser und sagt den berühmten Vers, den Grimms Märchen uns überliefern:

    „Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
mine Fru, de Ilsebill,
will nich so, as ik wol will.“

Ja, doar snakt man noch plattduits!

Der Butt fragt, was die Frau denn will, als er es hört sagt er: „Geh ruhig heim, sie hat das Haus schon.” Und so war es – als der Fischer heimkommt sitzt Ilsebill in einem netten Haus mit Garten.

Ist doch wirklich nett: Ein Wunsch, und er geht in Erfüllung! Ich hätte da auch welche: Ein neues Auto etwa! Son neuer VW Käfer Cabrio! Der gefällt mir echt.

Na und nun kommt es, wie es kommen muss: Irgendwann reicht ihr das Haus nicht, sie will nun ein Schloss. Und kriegt es. Und dann will sie, wo sie schon im Schloss wohnt, nun auch Königin sein. Und der Butt gibt ihr auch das.

Na, wir wolln mal nicht gleich spotten! Also ehrlich gesagt: Ich hätt auch gern mehr als nur den Cabrio! Aussehn wie Adonis, dann klappts auch mit den Frauen! Und bisschen mehr Geld. Und eh ichs vergesse: Frieden auf Erden und in der Gemeinde und vielleicht die Pfarrstelle, wegen der ich ja heute hier predige. Also mir fielen da auch mehrere Wünsche ein, Ihnen doch auch, oder? Soooo anders als die gute Ilsebill sind wir doch gar nicht.

Aber Ilsebill hat noch lange nicht genug. Kurz drauf reicht auch der Königstitel nicht mehr, sie will nun Kaiserin sein und wird auch das wieder. Und dann dreht sie noch mehr ab und nun will sie Papst werden. Tja, was so ein Butt alles kann: Sie wird auch das.

Ja, wen wunderts: Auch das reicht irgendwann nicht mehr. Sie schickt ihren Mann wieder los, wieder muss er rufen:

   „Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
mine Fru, de Ilsebill,
will nich so, as ik wol will.“

Der Butt fragt: “Na, was will sie denn?” Und der Fischer seufzt: „Ach, sie will werden wie der liebe Gott.”

Was für ein frommer Wunsch – oder reiner Wahnsinn?

„Tja”, sagt der Butt, „geh nur hin, sie sitzt schon wieder in der Fischerhütte.” Und da sitzen sie heut noch.

 

Da ging doch irgendwas schief, oder? Ich glaube nicht, dass Ilsebill begeistert war. Aber was?

Es gibt da eine alte Weisheit: „Überlege dir gut was du dir wünschst, es könnte in Erfüllung gehen.” Ein beliebtes Thema der Literatur und der Filmwelt – jemand hat plötzlich die Fähigkeit, dass seine Wünsche wahr werden. Das endet meist im Chaos!

Darum bin ich auch skeptisch bei langen Wunschlisten – übrigens auch bei detailreichen Gebeten. Mir ist nie so ganz geheuer wenn etwa Fürbittengebete Gott bis ins Einzelne nahelegen, wie wir dies und das Problem doch bitte gelöst sehen möchten.

Überhaupt Gebete: Sind das nicht auch Wunschlisten? Mich hat schon als Kind ein Bibelvers sehr beschäftigt: Im Johannesevangelium sagt Jesus:

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er’s euch geben.” (Joh 16,23)

Klingt das nicht auch so als hätten wir bei Gott Wünsche frei, die dann auch in Erfüllung gehen? Das wäre doch einfach: Wir müssten Gott in Jesu Namen bitten, dass …… hm, ja, was denn?

Ich hab da lange drüber gegrübelt, denn so einfach ist es ja nun nicht. Wir wissen doch, dass vieles, worum wir beten, dann doch so nicht kommt. Und das sind nicht die Gebete um neue Autos, gute Stellen und all das. Das sind eben grade die Gebete um Gesundheit wenn ein Mensch, den wir lieben, schwer krank ist – und wir erleben vielleicht, dass er doch stirbt. Das sind Gebete um Frieden und es ist doch Krieg. Das sind Gebete um Versöhnung und der Streit bleibt doch. All das kennen wir und wir leiden darunter.

Man soll auch aus der Bibel nicht einfach einzelne Sätze rauspicken ohne hinzusehn, worum es dabei geht. Jesus redet bei diesem Satz nicht von unseren Wünschen und den Gebeten heute. Er redet von der kommenden Welt Gottes, in der wir mit Gott eins sind und bei ihm sind und in der unsere Bitten eins sein werden mit dem Willen Gottes.

Aber was nützt uns das heute? Unsere Wünsche, Hoffnungen, Gebete sind uns doch ernst! Und wir hoffen so sehr, dass Gott uns zur Seite steht und dass durch unsere Gebete alles besser wird.

Bei den einfachen Wünschen und Gebeten sehe ich ja schnell ein, dass das was ich mir heute wünsche morgen vielleicht schon überholt ist. Vor paar Jahren hätte ich gern einen Audi TT gehabt, jetzt gefällt mit der neue Käfer Cabrio aber besser. Und so ist es doch mit Vielem.

Aber die Wünsche und Gebete da, wo es um Leben und Tod geht, da wo es um das geht was uns als Menschen ausmacht, die sind doch nicht solche Eintagsfliegen. Und wir leiden darunter, wenn sie nicht in Erfüllung gehen.

Auch dieses Leiden sollen wir Gott entgegen schreien. Jesus ruft am Kreuz:

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?” (Mt. 27,46 u.a.)

Aber trotzdem, oder gerade deswegen, sollen und müssen wir beten. Denn im Gebet nähern wir uns der Welt, in der wir eins mit Gott sind und unsere Bitten sein Wille sein werden. Das ist nicht einfach zu begreifen, man muss es immer wieder neu versuchen. In unserem Gebet suchen wir das Eins Sein mit Gott, das Verbunden Sein mit dem Schöpfer und dem Sinn unseres Daseins.

Einfach zu begreifen ist das nicht. Aber es ist einfach zu tun:

Jesus sagt uns im heutigen Predigttext am Sonntag Rogate, dem Sonntag an dem es um das Gebet geht, wie es geht. Und so, wie er es uns sagt tun wir es immer wieder, gemeinsam mit allen Christen in der Welt.

Wir wollen den Predigttext hören und beten, wie er uns im Mattäusevangelium im 6. Kapitel gesagt ist – wir stehen dazu auf.

Wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.
Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.
Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn  sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.
Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.
Darum sollt ihr so beten:

Wir fahren gemeinsam fort:

 

Vater Unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Pfr. Dipl.theol. Hans Immanuel Herbers

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