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Beschneidung verbieten?

Eine hitzige Debatte ist in der Piratenpartei über das Thema Beschneidung bei Juden und Muslimen entbrannt. Im LiquidFeedback fanden Meinungsbilder jeweils deutliche Mehrheiten für ein Verbot der Beschneidung – wie üblich mit sehr geringer Beteiligung, die NRW-Mailingliste brodelt.
Ich habe mich entschieden zuerst beispielhaft einzelne wirklich argumentative Beiträge aus der innerparteilichen Diskussion der Piraten zum Thema zu sammeln und danach meine Sicht des Themas zu shildern. Hier also einige wenige Links:


Für ein Beschneidungsverbot:

Christoph Steltner und Jan Leutert aus Hessen schreiben unter der Überschrift „schnipp ‚Jetzt bist du Gott näher'“ und votieren für ein Beschneidungsverbot bei Minderjährigen.

„Es ist Konsens der Autoren, dass medizinisch nicht notwendige Operationen einen zu verurteilenden Eingriff in die Selbstbestimmtheit über den eigenen Körper darstellen.“

Andi Popp, Bayern („Das Recht der Religion auf Körperverletzung“) leitet damit ein, dass er im Gegensatz zu vielen Piraten Religion für die Gesellschaft für wichtig halte. Ein Beschneidungsverbot unterstütze er aber gerade aus Gründen der Religionsfreiheit:

„Eine Beschneidung von Kindern ist aber meiner Meinung nach auch aus Gründen der Religionsfreiheit abzulehnen. Denn es ist nicht nur die Religionsfreiheit der Eltern, sondern auch die des Kindes zu achten.“

Robert Bauer schreibt im Blog der Bremer Piraten unter dem Titel „Beschnittene Grundrechte“ und plädiert für ein Beschneidungsverbot. Er endet:

„In diesem Land wurden Kinder früher mit dem Rohrstock verprügelt. Angeblich geschah dies nur zum Wohle des Kindes. Der Verzicht auf die Prügelstrafe hat die Aufgeklärte Gesellschaft nicht an den Rand des Abgrundes geführt; Islam und Judentum können und werden auch ohne traumatisierende Gewalt gegen Kinder weiterbestehen.“

Gegen ein Beschneidungsverbot:

Marina Weisband (NRW) versucht unter der Überschrift „Das Ende vom Glied“ ihre Ambilvalenz zum Thema darzustellen:

„In mir schlagen naturgemäß zwei Herzen in dieser Angelegenheit. Einerseits setze ich mich für Menschenrechte ein. Andererseits bin ich religiös, und ausnahmsweise spielt das hier mal eine Rolle.“

Als Jüdin schreibt sie:

„Der absolut wichtigste Aspekt für mich, aus dem ich zur Zeit eher gegen das Verbot tendiere: Man verbietet hier Menschen, einen Bund mit Gott einzugehen. Ihren Bund mit Gott, den sie seit unzähligen Jahren genau so prägen. Wohin auch immer es uns verschlagen hat, wie weit wir auch auseinander waren, das ist ein Teil der Kultur, den wir immer gepflegt haben.“ 

Ich halte dazu für bemerkenswert eine Stellungnahme, die Marina zu einem Kommentar schreibt, und die ich völlig teile:

„Mich beängstigt die Religionsfeindlichkeit vieler Diskutierender.“

Patrick Rauscher, ebenfalls aus Hessen, analysiert  „Zwei Sichten auf das ‚Beschneidungsurteil‘ von Köln“ und endet:

„Zumindest kann man hoffen, ob die Diskussion über die Beschneidung in die Religionen überschwappt und dort zu einer Reflektion ihrer Riten führt. Damit das möglich ist, darf die Debatte aber keinesfalls als Angriff auf die Religionen verstanden werden: Eine offene Diskussion mit ihnen ist umbedingt nötig und _wir_ müssen zeigen, dass wir eben nicht eine Abschaffung von Religion(en) fordern, sondern sie als Teil des öffentlichen Lebens gerne sehen.“

Anne Alter alias Piraten-Jinx aus Hamburg titelt „Das falsche Signal“. Sie hält zwar in der Zukunft ein Beschneidungsverbot für richtig. Derzeit sei aber der Zusammenhalt der Gesellschaft nicht so, dass ein solches Verbot jetzt richtig wäre:

„Die Frage der Beschneidung ist eine hoch emotionale; und einem Verbot sollten Gespräche, Diskussionen und Vermittlungsversuche vorangehen, die eher dazu angetan sind, in den betroffenen Gemeinschaften eine Debatte anzustoßen und vielleicht sogar eine Modernisierung aus sich selbst heraus möglich machen (ja, ich bin Optimistin). Das braucht Fingerspitzengefühl und Zeit – und ein Umfeld, das für die Mehrheitsreligionen keine Privilegien reklamiert.
Für ein Verbot dieser Praxis ist Deutschland in mehr als einer Hinsicht einfach noch nicht weit genug.“

(Dies ist Teil 1 – ein Teil 2 folgt in dem ich selber Position beziehe)

____________

Ergänzung 18.07.:

Eine sehr gut überlegte Position bezieht Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung. Er folgert am Ende:

„Beschneidungskritiker fordern von Juden und Muslimen, über den Sinn dieses Ritus nachzudenken. Muslime und Juden dürfen aber auch von ihren Kritikern ein Nachdenken darüber verlangen, warum die Kritik einen so aggressiv-selbstgerechten Ton anschlägt. Bisweilen kann man den Eindruck haben, dass es nicht nur einen religiösen, sondern auch einen anti-religiösen Fundamentalismus gibt. Die Unversöhnlichkeit der Kopftuch-Debatte findet in der Beschneidungs-Debatte ihre Fortsetzung. Das hat mit Aufklärung nichts zu tun. Aufklärung ist nicht die Verächtlichmachung der Anderen. Eine aufgeklärte Gesellschaft ist eine, die auf respektvolles Zusammenleben achtet.“

One Comment

  1. Hans Immanuel Herbers 20. Juli 2012 16:31 Uhr

    Der Beschluss des Bundestags vom 19.07.:

    "Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
    im Herbst 2012 unter Berücksichtigung der grundgesetzlich geschützten
    Rechtsgüter des Kindeswohls, der körperlichen Unversehrtheit, der
    Religionsfreiheit und des Rechts der Eltern auf Erziehung einen Gesetzentwurf
    vorzulegen, der sicherstellt, dass eine medizinisch fachgerechte Beschneidung
    von Jungen ohne unnötige Schmerzen grundsätzlich zulässig ist."
    http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/103/1710331.pdf

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